Der reanimierte österreichische Autorenfußball
doppelpass
Es beginnt schon damit: Weil jede Mannschaft nur einen Kapitän haben kann, hat auch die österreichische Autorennationalmannschaft nur einen - und einen zur Garantie eines reibungslosen Spielablaufs notwendigen zweiten.
Kommentar von Gerhard Ruiss
Einen ältesten Kapitän und einen zweitältesten, falls der älteste Kapitän das Spielgeschehen aus Altersgründen vorzeitig verlassen muß. Eine Drittregelung ist derzeit nicht vorgesehen. Allerdings ergänzt das Kapitänsgremium Ruiss - Bydlinski der bis auf weiteres noch nicht reaktivierte, für theoretische Spielverläufe und Spielergebnisse zuständige Non-playing-Kapitän Menasse. Nicht nur in diesem Bereich ist die österreichische Autorennationalmannschaft gut aufgestellt.

Einige der Spieler können auf eine fußballerische Vergangenheit verweisen, einige andere haben ihre Kondition als wesentlichste Voraussetzung für ihr fußballerisches Können in den Aufbau und in das Zustandekommen der österreichischen Autorennationalmannschaft eingebracht. Es sind Autoren aus allen Bundesländern und aller literarischen Kategorien im österreichischen Autorennationalteam vertreten, von Vorarlberg bis Wien, von Kinder- und Jugendliteratur, Lyrikern, wissenschaftlichen Autoren, Romanschriftstellern, Dramatikern, bis hin zu Liedertextern.

Österreichgerecht stand am Anfang ein Debakel. Die ungarische Autorennationalmannschaft, auf der Suche nach einem Sparringpartner für ihr bevorstehendes Spiel gegen die deutsche Autorennationalmannschaft, fertigte die nur zu diesem Anlaß gebildete österreichische Erstformation 2 : 8 ab. Wie in der umfassenden Berichterstattung sogleich erkannt wurde, mit viel Pech auf Seite des österreichischen Autorennationalteams. Anschließend wurden die sonstigen Teilnehmer des bevorstehenden Euro-Turniers vom österreichischen Autorenteam ebenfalls überzeugend geschlagen, so daß sich auch diese nach spielerischen Verbesserungsmöglichkeiten umzusehen begannen, wodurch der Ausgang des Turniers als völlig offen bezeichnet werden muß.

Je nach Konstellation tritt das österreichische Autorennationalteam mit entweder einer 200jährigen oder einer 180jährigen Viererkette in der Abwehr an, doch verjüngt es sich nach vorne zu deutlich, mit Spielern, die im normalen Spielbetrieb allerdings auch bereits unter den Begriff „Seniorenfußballer“ fallen. Somit kommt die Euro 2008 für den in Länderspielen nur selten überwundenen Abwehrriegel der österreichischen Autorennationalmannschaft gerade noch rechtzeitig, während allen anderen Mannschaftsteilen über die Euro 2008 hinaus eine große Zukunft bevorsteht. Mit dieser Aussicht kann das österreichische Autorennationalteam nicht nur optimistisch in das Euro-Turnier 2008 gehen, sondern mit demselben Optimismus auch an seine weiteren bevorstehenden Länderspiele nach der Autoren-Euro, etwa gegen Deutschland, denken.

Weder gab es je vorher eine über ein Spiel hinaus aktive österreichische Autorenmannschaft noch haben die meisten Spieler österreichischer Autorenmannschaften mehr als ein paar Minuten lang ihr fußballerisches Tun heucheln können. Auch aus diesem Grund kann die österreichische Autorennationalmannschaft an keine bedeutenden Traditionen des österreichischen Autorenfußballs anknüpfen, sondern ist auf die Fortsetzung anderer großer österreichischer Fußballtraditionen wie der des Wunderteams angewiesen.

Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren und Kapitän der österreichischen Literaten-Nationalmannschaft
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